Christian Werner
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Motionär Christian Werner will das Salär des Oltner Stadtpräsidiums auf jährlich 200 000 Franken einfrieren Artikel aus der Zeitung "Sonntag" vom 07.02.2010; von Urs Huber Sind 200 000 Franken Jahressalär für das Amt des Oltner Stadtpräsidiums genug? Für Christian Werner, SVP-Fraktionsmitglied im Gemeindeparlament, schon. Und was meinen Protagonisten anderer Stadtparteien? «Ich persönlich lasse mich gerne überraschen – besonders in der Oltner Lokalpolitik,
deren Wendungen ja über weite
Strecken vorhersehbar sind», sagt Alex Capus
auf die Frage, ob er vom Vorstoss Christian
Werners überrascht worden sei. Dieser
nämlich verlangt, das Salär des Stadtpräsidiums
einzufrieren. «200 000 Franken
sind genug», so die Forderung des Motionärs.
Simpel und für alle verständlich. «Ich
bin mir sicher: Das Volk würde meinen
Vorstoss gutheissen. Und im Parlament ist
er sicher nicht chancenlos», sagt Werner.
Es komme halt immer drauf an, ob fraktionstreu
oder individuell abgestimmt
würde. «ICH GLAUBE der Normalbürger fühlt sich
heute von Amtsinhabenden mit solchen
Löhnen nicht mehr vertreten», sagt Werner;
ein Grund seines Vorstosses. Olten
werde, so ein weiteres Argument, in Zukunft
eine Pro-Kopf-Verschuldung ertragen
müssen. Vor diesem Hintergrund dürfe
einem Stadtpräsidenten (einer Stadtpräsidentin)
zugemutet werden, sich jährlich
mit 200 000 Franken inklusive Spesen zu
bescheiden. «Auch so ist das Amt begehrt
genug», erklärt er. Das bislang sehr hohe
Salär mit einem Vergleich zur Praxis in der
Privatwirtschaft zu rechtfertigen, hält der
Motionär für nicht angebracht. Denn: Jeder
KMU-Verantwortliche spüre den Geschäftsgang,
ob positiv oder negativ, im
Portemonnaie und am eigenen Leib. Dagegen DER VORSTOSS WERNERS ähnelt tatsächlich in Intention und Wortlaut einer Volksinitiative aus dem Kanton Zürich, welche vom Bund der Steuerzahler 1998 eingereicht worden war und im Mai 2000 zur Abstimmung kam. «220 000 Franken Jahresgehalt sind genug», bezog sich etwa auf die Jahressaläre des Zürcher Stadtrates und des Stadtpräsidiums. Die Initiative wurde im Verhältnis 5:4 nicht ganz überraschend angenommen. «In den letzten Jahren war zwar die städtische Besoldungsrevision ein Thema, in diesem Zusammenhang aber die Besoldung des Stadtpräsidiums nie im Gespräch», sagt Hodonou. Dies bestätigen auch Wettstein und Steffen. Und Probst hat – wie Wettstein und andere Parlamentsmitglieder – seine Energien anders eingesetzt: «Beschäftigt haben mich vor allem die vielen Projekte zur Attraktivierung und Weiterentwicklung unserer Stadt.» Das Thema Salär des Stadtpräsidiums also gar kein Politikum? Selbst Haller gibt unumwunden zu, dass der Lohn des Stadtpräsidiums finanzpolitisch nicht ausschlaggebend sei. Aber Haller sagt auch: «Der Lohn fürs Präsidium ist für die Bevölkerung von nicht zu unterschätzender symbolischer Bedeutung.» Und hierin trifft er sich mit Werner. HAT DIE MOTION Erfolgsaussichten? «Bei mir persönlich nicht», sagt Wettstein dezidiert. Der Vorstoss ziele auf billigen Populismus und sei besonders scheinheilig. Denn exakt die SVP verteidige immer die Privilegien derjenigen mit dem dicksten Portemonnaie und «will bis heute nicht anerkennen, dass Steuerhinterziehung in einem demokratischen Rechtsstaat ein Verbrechen ist». Für Steffen sind Vorstösse dieser Art wahre Neidschürer und Hodonou verweist den Vorstoss in die Rubrik «Galeriepolitik»: «Es geht darum, die augenblicklich verbreitete Empörung über die Boni-Exzesse bei Gross- und Privatbanken, welche durchaus berechtigt ist, auszunutzen und den Wählern die SVP-Botschaft ‹Seht her, wir machen etwas› oder ‹Denen zeigen wir es!› zukommen zu lassen. Mit dieser Motion wird aber kein wesentliches Problem der Stadt gelöst.» Für Probst besteht gar kein Handlungsbedarf: «Der Stadtpräsident in Olten (232 142 Fr.) verdient schon heute weniger als jene in Aarau (236 000 Fr.), Baden (245 000 Fr.), Grenchen (237 000 Fr.) oder Solothurn (242 023 Fr.).» Und auch Alex Capus will nicht ein einzelnes Salär, sondern das ganze Besoldungssystem im Auge behalten. «Wir von der SP verzichten darauf, aus persönlicher Animosität den einen oder andern Angestellten herauszupicken.» ÜBER LÖHNE ZU diskutieren ist stets eine schwierige Angelegenheit. Darum sei noch einmal ein Blick in den Kanton Zürich erlaubt, wo auch vor 35 Jahren schon Löhne öffentlich Bediensteter pointiert diskutiert wurden. Alfred Gilgen, Regierungsrat und Erziehungsdirektor, hatte im Zuge seiner umstrittenen Politik («Gesinnungsprüfung» für Lehrkräfte und Proteste unter dem Motto «Gilgen an den Galgen!») sein Jahreseinkommen (damals rund 250 000 Franken) zu rechtfertigen. Der schlagfertige Landesringler meinte: «Ich verdiene eigentlich bloss 50 000 Franken. Die übrigen 200 000 bezeichne ich als ‹Tschumpelzulage›, weil mich jeder in diesem Kanton ungestraft ‹Tschumpel› nennen darf.» Es ist anzunehmen, dass sich seither die Situation für Kaderleute im öffentlichen Dienst diesbezüglich nicht wesentlich verändert hat. Davon bleiben Kaderleute in der Privatwirtschaft hingegen meist verschont. Übrigens: Die Lohnskala für Regierungsräte im Kanton Zürich blieb – wen wunderts – damals unverändert. |