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Artikel aus der Schweizerzeit vom 21. September 07

„Milizsystem in Gefahr“

Von Christian Werner, Gemeinderat, Olten SO

Die Schweizer Armee fusst entsprechend der Bundesverfassung auf dem Milizsystem. In der heutigen Armee sind jedoch etliche Tendenzen auszumachen, die unsere Miliz zunehmend aushöhlen. Als junger Offizier, der seine gesamte Ausbildung in der Armee XXI absolviert hat und dieses Konzept selbst erlebt hat, will ich anhand zweier Beispiele aufzeigen, weshalb die Miliz in der Schweizer Armee in Gefahr ist.

Ein erstes grosses Problem scheint mir das Zeitmilitärsystem zu sein, das mit der Armeereform XXI eingeführt wurde. Weil diese Problematik in der Politik zu meinem Unverständnis kaum thematisiert wird, drängen sich an dieser Stelle ein paar kurze Ausführungen auf.
Zeitmilitärs sind Angestellte der Armee, die ihre Tätigkeit zeitlich befristet auf höchstens fünf Jahre ausüben. Ihr Auftrag ist es, die Ausbildung zu unterstützen und verschiedene andere Dienstleistungen sicherzustellen. Der Arbeitsvertrag eines Zeitmilitärs basiert auf einer 45-Stunden-Woche, sämtliche geleistete Überzeit muss kompensiert werden. Und genau hier liegt ein grosses Problem: Es ist meines Erachtens geradezu absurd, einen Feldweibel oder Kompaniekommandanten 45 Stunden pro Woche anzustellen. Die Konsequenzen dieses nicht mehr auftragsorientierten Systems habe ich selbst miterlebt: Die Zeitmilitärs erfüllen während drei, vier Tagen ihre Aufträge und kompensieren die restliche Zeit der Woche ihre Überzeit – im Urlaub.
Daraus resultiert, dass die Milizkader einspringen und, nebst ihren eigenen Aufträgen, auch noch diejenigen der Zeitmilitärs erfüllen müssen.
Überdies geniessen Zeitmilitärs gegenüber der Miliz etliche Privilegien. So ist zum Beispiel die Ausrüstung eines Zeitmilitärunteroffiziers besser als die eines Milizoffiziers. Diese ersten Anzeichen einer Zweiklassen-Armee schaden dem Korpsgeist und sind eindeutige Indizien dafür, dass die Wertschätzung für die Miliz gewaltig abgenommen hat.

In einer Milizarmee leistet der Soldat als bewaffneter Bürger Dienst, um im Ernstfall seine Familie, Heimat, Hab und Gut verteidigen zu können. Er ist bereit, seine Pflicht zur Verteidigung zu erfüllen. Sicherlich aber hat der durchschnittliche Milizsoldat keinerlei Interesse daran, in einem fremden Land unter fremder Herrschaft fremden Interessen zu dienen und dabei sein Leben zu riskieren.
Beim Swisscoy-Einsatz im Kosovo ist jedoch genau dies der Fall. Die Auslandeinsätze der Schweizer Armee sind daher meiner Meinung nach niemals mit dem Grundgedanken der Miliz zu vereinbaren. Vielmehr handelt es sich fast schon um eine Art Söldnertum. Dies auch deswegen, weil die Schweizer Soldaten im Ausland nicht Angehörige der Streitkräfte einer am Konflikt beteiligten Partei sind und oftmals primär der guten Entlöhnung wegen dieses Auslandengagement antreten.
Seit geraumer Zeit wird nun darüber diskutiert, Milizoffiziere zu einem Auslandeinsatz zu verpflichten, weil offenbar zu wenig Freiwillige gefunden werden können. Gleichzeitig will Bundesbern das Auslandengagement ausbauen.
Diese Diskussionen und Überlegungen zeigen in meinen Augen eindeutig auf, dass der Milizgedanke in unserer Armee leider immer stärker in den Hintergrund gedrängt wird.

Als überzeugter junger Milizoffizier bin ich klar der Meinung, dass wir dies nicht tolerieren dürfen und die Fahne der Miliz hochhalten müssen. Das Zeitmilitärsystem sollte wieder abgeschafft werden und Armeeführung und Politik täten gut daran, künftig auf Auslandeinsätze zu verzichten und sich stattdessen wieder vermehrt auf die Fundamente unserer Milizarmee zurückzubesinnen.

Christian Werner

 

Der Autor ist Leutnat der Schweizer Armee und Präsident der Offiziersgesellschaft Uni Bern. Er kandidiert für die Junge SVP im Kanton Solothurn für den Nationalrat.

 
   
   
   
   
   
   

 

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