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Artikel aus dem Oltner Tagblatt vom 08. September 2007

„Die Qualität der Männer ist entscheidend“

Christian Werner (SVP) wollte die städtische Gleichstellungskommission im Handstreich abschaffen. Das Parlament lehnte die Motion ab und verquickte dies mit einer gesellschaftspolitischen Grundsatzdebatte.

„Dem Stadtrat fehlt der Mut zur Unpopularität.“ Christian Werner mobilisierte grosse argumentative Reserven, um auf die städtische Kommission zur Gleichstellung von Mann und Frau zu schiessen. Die Gleichstellung der Geschlechter in der Verwaltung sei heute erreicht, die Kommission habe ihren verfassungsmässigen Auftrag erfüllt, uns sei deshalb zwecklos geworden. Der Stadtrat suche zwanghaft nach neuen Betätigungsfeldern für
das Gremium. „Es mag sein, dass es in der Privatwirtschaft weiterhin Ungleichheiten gibt, aber darauf hat eine städtische Gleichstellungskommission überhaupt keinen Einfluss“,
so der junge SVP-Vertreter. Der Motionär störte sich ausserdem daran, dass das Kursangebot der Kommission ausschliesslich Frauen offen stünde, und sich auch das Gremium selbst nur aus Frauen zusammensetze.
Stadtpräsident Ernst Zingg (FdP) replizierte, dass eben die „Qualität der Männer matchentscheidend“ sei, und man deren Untervertretung nicht den Frauen anlasten
könne.
Ursula Amsler (SP), selbst Mitglied dieser Kommission, insistierte darauf, dass Gleichberechtigung und Gerechtigkeit gerade auch für junge Frauen immer noch ein zentrales Thema darstelle und diese immer wieder Diskriminierungen ausgesetzt seien. In zwei Jahren werde die Gleichstellungskommission neu zusammengesetzt: „Wir laden die jungen SVP-Vertreter herzlich ein, ein Kommissionsmitglied vorzuschlagen.“ „Die Kommission will keine diktierte Gleichstellung“, betonte Anna Engeler (Grüne/JA) und verwies darauf, dass oft Frauen selbst anderen Frauen im Weg stünden. „Unsere Gleichstellungskommission ist die einzige im ganzen Kanton und leistet hervorragende Arbeit.“
Mit Thomas Freys (FdP) launigem Beitrag – „vielleicht müsste die Kommission sich besser umbenennen in „Kommission sich minderwertig fühlender Frauen““ – artete die Debatte zu einer gesellschaftspolitischen Grundsatzdiskussion aus.
Schliesslich blieb die SVP-Fraktion mit ihrem Ansinnen ziemlich allein – wohl auch aufgrund des verhältnismässig geringen Aufwands von 17'000 Franken pro Jahr, mit denen die Kursangebote von der Stadt unterstützt werden. Die Überweisung der Motion Werner wurde mit 33:7-Stimmen verworfen.

Fabian Saner

 
   
   
   
   
   
   

 

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